Sich nicht von den Lämpchen verrückt machen zu lassen, ist ein netter Rat - der lebensgefährlich sein kann.
Als mein Shadow mir noch recht neu war (das ist rund 20 Jahre her), bin ich damit 200 km zur Werkstatt gefahren, weil die Lämpchen schon nach wenigem Pumpen aufleuchteten, beim Fahren aber leuchteten sie nicht. Unterwegs auf der Autobahn ging die Lampe eines der Kreise an und blieb an. Bei normalem Bremsen merkte ich keinen nennenswerten Unterschied, jedenfalls erinnere ich das so. Bei starkem Bremsen war die Bremswirkung aber deutlich reduziert.
Als ich in der Werkstatt ankam, stand das Auto ein paar Minuten vor der Halle, dann fuhr ich rein in die Halle und auf die Bühne. Um auf die Rampe raufzukommen, mußte ich etwas heftiger Gas geben, damit das Auto über die Steigung kommt, um danach sofort wieder Gas wegzunehmen und zu bremsen, damit das Auto nur langsam auf die und auf der Bühne fährt - nur bremste es nicht mehr! Die zweite Lampe war auch angegangen! Die Bremswirkung war so gering und so unerwartet gering, daß das Auto bis zum Ende der Bühne fuhr, eh ich kapierte, daß ich kaum noch eine Bremswirkung hatte und nur noch auf den dritten - sagen wir mal - Notkreis angewiesen war, vom plötzlich unglaublich langen Pedalleerweg ganz zu schweigen. Zum Glück stand die Bühne wegen der beengten Platzverhältnisse an dieser Stelle der Werkstatt vor einer Wand! - Übrigens, mit einem Shadow II wäre ich tatsächlich vor der Wand gelandet - der hat keinen "Notkreis"!
Ich von meiner Seite kann nur immer wiederholen, daß es verantwortungslos ist, so locker über das Aufleuchten der Warnlampen hinwegzugehen - solange wir von den Warnlampen für die Hydraulikkreise 1 und 2 sprechen. Wer die Funktionweise der Lampen begriffen hat, der weiß: Die Lampen können nur angehen, wenn sie bzw. die Leitungen zu ihnen Masse bekommen, und damit ist es praktisch ausgeschlossen, daß diese Lampen einen Fehlalarm auslösen! Dazu müßte nämlich ein Draht zu dieser Lampe blank liegen und irgendwo Massekontakt bekommen, und das ist, wenn es denn überhaupt vorkommt, so extrem selten, daß man das nicht zu seiner Beruhigung und Rechtfertigung für lockeren Umgang mit aufleuchtenden Warnlämpchen der Hydraulikkreise 1 und 2 heranziehen kann! Ja es ist noch viel gefährlicher: Wenn diese Lämpchen n i c h t angehen, kann der Druck gleichwohl weg sein! Aber sie können nicht angehen, obwohl Druck da ist!
Wenn nach zehnmaligem Pumpen - so wie bei Jürgen ungefähr - der Druck weg ist, dann ist der entsprechende Druckspeicher hin. Alles Drumherumreden hilft da nicht weiter, auch ein Drucktest, der Arbeitszeit kostet und bezahlt werden müßte, bringt keine neue oder andere Erkenntnis, nur nutzlose Kosten.
Eines Tages höre ich auf, gegen die Sorglosigkeit im Umgang mit den Warnlampen der Hydraulikkreise 1 und 2 anzureden. Dann sage ich mir: Macht doch, was Ihr wollt. Ich für mich bin - und rate es jedem an zu sein - übervorsichtig mit der Sorge um Druckverlust, gerade weil die Lämpchen eventuell nicht aufleuchten und doch kein Druck da sein könnte. Umgekehrt geht es nicht, ein Lämpchen leuchtet nicht auf und löst Fehlalarm aus, das geht nicht! Aber weil sich andererseits hinter einem nicht aufleuchtenden Lämpchen gleichwohl Druckverlust verbergen kann, beachte ich immer,
- daß beim Starten alle Lämpchen angehen (das zeigt aber nur an, daß keine Lampe selbst kaputt ist)
- daß gelegentlich solange gepumpt wird, bis die beiden Druckkreislämpchen angehen, damit ich weiß, daß nicht z.B. ein verdreckter Schalter das Angehen verhindert. Das ist für mich eine ganze einfache Art von Lebensversicherung.
Haltet mich für neurotisch, ist mir egal. Ich weiß jedenfalls, wie das System funktioniert und daß eine Lampe nicht "versehentlich" angehen kann. Geht sie an, ist Gefahr im Verzug, oft nicht sofort, aber sie steht bevor. Geht eine Lampe nicht an, heißt das aber noch lange nicht, daß keine Gefahr besteht! Im Gegenteil, es kann bereits Lebensgefahr bestehen! Gerade bei einem alten Shadow mit schlecht gewarteter oder vernachlässigter Hydraulik oder selten (oder nie) gewechselter Bremsflüssigkeit - z.B. weil der Druckschalter klemmt, verdreckt ist oder aus sonst einem Grund (Rost innen drin) keinen Massekontakt mehr herstellen kann! Aber wie schon angedeutet: Macht, was Ihr wollt.
Im übrigen ist der Tausch der Kugeln wirklich keine Spezialistenarbeit. Stickstoff ist billig und kann sogar auf die eingebauten Kugeln aufgefüllt werden - hält vielleicht nicht so lange, weil die Kugel, die den Einfüllanschluß abdichtet, danach eventuell nicht mehr perfekt sitzt, aber eine kleine Undichtigkeit fängt die aufgeschraubte Schutzkappe ab. Lange hinauszögern wird so ein Nachfüllen den Tausch oder die Überholung aber in der Regel nicht.
Um Michael zu imitieren: Angstvolle Grüße
Udo