Autor Thema: Shadow Komeptenz  (Gelesen 3776 mal)

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Offline Sedancalette

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Shadow Komeptenz
« am: Do.06.Jan 2011/ 08:08:22 »
Liebe Forumsmitglieder

Auf Carsablanca las ich den wohl besten Artikel mit Kaufberatung über Shadows von Alexander Köhnlechner:
Artikel Carsablanca

Ich fahre einige RR / B vintage cars, darunter: 2x SS l, 1 x T1, 1 x Corniche FHC. Im Moment ist gerade ein englischer Mechaniker, Bill, hier, der diese cars aus dem FF kennt und die nötigen Reparaturen + Unterhaltsarbeiten vornimmt. Ua, auch die front breakpump am Corniche wird ausgewechselt.

Gestern kam im Gespräch mit Bill, dem Mechaniker folgendes Thema auf. Bill ist 59 Jahre alt. Bill absovlierte schon seine Lehre bei einem RR Dealer in UK, als die Shadows gerade aktuell wurden und reparierte sein Leben lang Shadows. Ich könnte ein Buch schreiben, mindestens ein Kapitel, was alles schief lief, bei meinen Shadows mit Reparaturen, bis ich wusste wo es lang geht.

Frage: ist genügend Know-How vorhanden, wenn Leute wie Bill in Pension gehen, diese komplexen cars auf der Strasse zu halten? Ich staune zwar jeweils, wenn ich hier die Beiträge lese und sehe, was Ihr alles wisst. Wieso läuft denn trotzdem so viel schief bei Shadows Reparaturen? Bill sagt: "The Shadows can not be learnt by the books, it needs experience." (Shadows kann man nicht aus den Büchern lernen, man benötigt Erfahrung).

Gruss aus der Schweiz
Ruedi Müller
RR/B fahren = Lebenskunst

Offline ex.BentleyDriver

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Re: Shadow Komeptenz
« Antwort #1 am: Do.06.Jan 2011/ 10:54:23 »
Hallo Sedancalette,

interessanter Ansatz.

Meine Antwort auf Deine Frage lautet: Ja, diese Wagen werden auch noch in vielen Jahren von vielen Oldtimerliebhabern gepflegt und gewartet werden. Die Wagen sind auf dem Sprung vom Klassiker zum Oldtimer, wenn mal die ganzen ungepflegten und schlecht gewarteten Möhren das zeitliche gesegnet haben, wird sich viel Aufregung gelegt haben. Verglichen mit der Komplexität heutiger Fahrzeuge liegen die Shadows doch garnicht mal so schlecht. ;)

Meine Erfahrungen sind dergestalt, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und man auch jüngeren Nachwuchstalenten die Möglichkeit geben sollte nicht nur am Wissen zu partizipieren sondern auch ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Grundvoraussetzung sollte natürlich sein, das die jeweiligen 'Talente' willens sind, sich der Herausforderung zu stellen und nicht mit gesundem Halbwissen und der Einstellung, was die Engländer denn alles für einen Blödsinn gemacht haben, an diese Sache heran gehen.

Meine Erfahrungen zu dem Thema Werkstätten sind vielfältig und ich bin immer dann gut gefahren, wenn ich mir vorher einen Eindruck von dem jeweiligen Meister gemacht habe und ihn auf obige Kriterien hin, wohl bemerkt für mich, geprüft habe. Dabei bin ich immer gut gefahren, wenn die Meister eher jüngeren Datums waren, meist sogar <40. Einige in der Altersgruppe sehen noch viele Berufsjahre vor sich und haben verstanden, dass Erfahrungen, Wissen und der Wille zur Fortbildung die Basis für viele weitere erfolgreiche Berufsjahre sind. Zudem sind mir diese Jungs lieber, als wenn so ein alteingestandener Meister, der den vermeintlichen Eindruck macht er hätte schon alles im Leben gesehen, sich als Hüter des heiligen Grals hinstellt und am Ende des Tages doch nur teuer bezahlten Mist abliefert. Das Paradebeispiel für dieses Kapitel ist fast wöchentlich im Fernsehen zu sehen: Bei vox → automobil → die Autodoktoren.

Aber ich habe auch seit vielen Jahren den Eindruck, dass die vermeintliche Tatsache, dass sich hinter den Werkstattoren ein ziemlich rechtsfreier Raum befindet, von den meisten Werkstätten gut gepflegt wird. Wenn ich hier meine neueren Alltagsautos in die Werkstätten gebe, lesen sich die Vertragsbedingungen wie der Verzicht auf jegliche Einflussnahme des Kunden. An dieser Stelle finde ich den Ansatz von DRB15051 mit seiner Corniche richtungsweisend, der mit seiner jetzigen Werkstatt einen klar definierten Vertrag ausgemacht hat. Macht Mühe, aber hilft am Ende des Tages beiden Seiten.

Mit viel Lehrgeld bezahlt, habe ich mittlerweile einen für mich klareren Weg bei der Werkstattbeauftragung eingeschlagen. Ich habe mir für mich die Mühe gemacht sämtliche Wartungsarbeiten a.) zu übersetzen und b.) in tabellarischer Form niederzuschreiben. Dort sind alle notwendigen Arbeiten incl. der benötigten Ersatzteile (z.B. Öle, Fette, etc.) aufgelistet. Bei Sonderarbeiten mache ich mir die Mühe diese vorab zu recherchieren und ggf. die entsprechenden Auszüge aus den Werkstatthandbüchern oder Bulletins auszudrucken und meinem Auftrag beizulegen. Es versteht sich von selbst, dass ich vorab der Werkstatt meines Vertrauens sämtliche Unterlagen in Schriftform zum Nachlesen und Studieren überlasse (mehrere Ordner). Die Ersatzteilbeschaffung für meinen Bentley regele ich ausschließlich mit der Heavens Gate Garage, die meiner jeweiligen Werkstatt im Zweifel auch mit Rat und Tat beiseite steht, was an einigen Stellen schon horrende Kosten gespart hat. Jedoch auch bei so einem Vorgehen bin ich sicherlich nicht gefeit vor unsachgemäßer Reparatur, Pfusch, usw. aber ich grenze die möglichen Fehlerquellen meinerseits ein und bin i.d.R. auch ganz zufrieden mit dem Ergebnis.

Und obendrein gibt es noch das liebe Internet. Auf Plattformen wie dieser hier sammeln sich beständig Wissen und Erfahrungsberichte an, die äußerst hilfreich sind. Ich habe für einen anderen alten Oldtimer im Zuge einer Vollrestauration vor Jahren übers Internet derart viele Hilfestellung und völlig exotische Ersatzteile bekommen (AUS, NZ, RSA; ARG, USA, CAN, usw.), das war schon beeindruckend und öffnet dem hilfesuchenden Enthusiasten völlig neue Tore.

Aber, um den Bogen zu Deiner Ausgangsfrage zu spannen, ich halte es für unerlässlich, dass sich der Oldtimerbesitzer mit seinem Wagen und der Technik auseinander setzt. Den Wagen einfach nur, wie einen aktuellen Benz, BWM, Audi, VW, Opel, etc. am Werkstatttresen abzugeben nach dem Motto macht ihr mal schön, funktioniert in meinen Augen jetzt und auch in Zukunft nicht. Und welcher Spruch passt zu Deiner Aussage besser aus: Tradition heißt nicht die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weitergeben. Die Werkstätten und Meister, die das verstanden haben, werden auch in Zukunft Fahrzeuge wie Eure Shadows warten und reparieren können. Frag mal Deinen Bill an wen er sein Wissen weitergibt. ;)

Beste Grüße
BentleyDriver
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Re: Shadow Komeptenz
« Antwort #2 am: Do.06.Jan 2011/ 11:49:03 »
Danke BentleyDriver für den sehr ausführlichen Beitrag, aber ich würde mich anders ausdrücken.

Ein großteil der Arbeiten bedarf nicht sehr viel Fachkompetenz, sondern Ausdauer, Wille und Motivation und den harten Weg zu recherieren.

Gestern haben ein anderes Forenmitglied und ich mal auf OHNE Praxiserfahrung an dem Bauteil, dass Solenoid Valve überholt. Das öffnen war eine sehr mühsamme und lange anhaltende Funktion, wo manch ein Reparaturbetrieb schnell zu anderen Methoden gegriffen hätte, aber mit Ausdauer, systhematischen Probieren und Nachdenken war es dann doch offen. Die reale Materialkosten zum überholen waren gleich Null, aber der Arbeitsaufwand für Studieren von Handbuch und versuchen war doch viel größer als das eigentliche Instandsetzen.

Noch gut ist mir in Erinnerung wie ein Betrieb in Krefeld mir vorgeschlagen hat alles zu Tauschen, da ihm die Zeit zu Schade sei die Teile zu überholen. Nun wo ich das von DRB15051 dort lese wundert es mich nicht, dass dort lieber getauscht wird als Instandgesetzt.

Mein Ansatz daher, das wichtigste ist das der Schrauber sich für dein Auto interessiert und selbst Freude an seinem Job hat. So kann ich mir vorstellen, dass du bei viele Reparaturen besser fährst, wenn du zu deiner lokalen Freien-Werkstatt gehst, wo man sich freut auch mal an einem Rolli zu schrauben und sich daher in die Arbeiten rein hängt als bei irgend einem eingebildeten Fachbetrieb.




Offline ex.BentleyDriver

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Re: Shadow Komeptenz
« Antwort #3 am: Do.06.Jan 2011/ 17:05:45 »
Hallo PMX-251K,

mag sein, dass man mit viel Ehrgeiz sehr weit kommt. Meine Erfahrung ist es aber, dass ein erfahrener Meister der sein Gewerk mit Sachverstand betreibt nahezu unersetzlich ist. Nicht nur weil er mehr Erfahrungen hat sondern auch weil er möglicherweise Dinge erkennt, die einem Halblaien komplett entgehen. Ich hatte Dutzende solcher Erlebnisse in den zurückliegenden Jahren. Auch Dir wird es passieren, dass ein vermeintlich von Dir gut überholtes Bauteil wieder defekt geht. Der Beruf eines Automechanikers und insbesondere eines Meisterbetriebs hat durchaus schon seine Berechtigung, oder liest Du Dir bei einer schweren Krankheit eines nahestehenden Menschen das nötige Wissen an und operierst dann selber?

Und der Vergleich zwischen privater Schrauberei und gewerblicher Arbeit hinkt ein wenig. Die gewerbliche KFZ-Werkstatt muss mit ihrer Tätigkeit Geld verdienen. Da ist die Abwägung ob Instandsetzung oder Austausch durchaus legitim, denn die Werkstatt hat eines nicht über was man als privater Schrauber verfügt: Zeit. Die Arbeiten an alten Wagen werden da durchaus mit zweierlei Maß gemessen. Solange es E-Teile im Austausch gibt, liegt die Versuchung nah, solche Komponenten zu tauschen. Erst wenn die Wagen älter werden und E-Teile nicht so ohne weiteres verfügbar sind, ist die Kunst des Überholens endgültig gefordert.

Es mag eine große Zahl von Werkstätten geben, die mangels Fachkenntnis oder Erfahrung nicht in der Lage sind diverse Komponenten zu überholen. Das betrifft entweder Bauteile wie z.B. Getriebe, Vergaser, Zündungen usw. die bei Spezialisten besser ausgehoben sind oder Bauteile, die man wie Du es beschreibst mit gutem Willen, Literaturrecherche, Nachfragen sowie Fachkenntnis zumindest zerlegen, begutachten und wieder einbauen kann. Und es gilt eben solche Werkstätten ausfindig zu machen, die genau an dieser Stelle ihr Geschäft verstehen. Und ebenfalls zutreffend ist, dass die Werkstatt Spaß und Freude an Deinem Wagen haben muss, dann wird es auch was. Immer wenn ich in der Vergangenheit gemerkt habe, dass im Zuge größerer Arbeiten der Elan deutlich nachlässt, habe ich den Wagen für ein paar Monate aus dem Gefecht genommen. Jeder ist nur ein Mensch und läuft durchaus mal heiß, wenn man monatelang auf dieselbe Baustelle schaut, an der es nicht richtig weitergeht. Einige Zeit später sind Spaß und Freude wieder da und es geht mit neuem Elan voran.

Gruß
BentleyDriver
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Re: Shadow Komeptenz
« Antwort #4 am: Do.06.Jan 2011/ 18:12:28 »
Hallo Bentley Driver,

"ein erfahrener Meister " das klingt sehr Vertrauens förderlich, aber wo arbeitet der noch selbst?! Die meisten Betriebe wird doch nur noch angewiesen vom Meister und nicht selbst gearbeitet, dann hilft auch nur indirekt dessen Kompetenz. Oder würdest du zum Zahnarzt gehen wo du weißt, dass die Krankenschwester dich misshandelt und der Arzt auch neben an beim Kaffee sitzt und gefragt werden kann bei Problemen?

Ich stimme dir vollkommen zu, dass man einen Profi manchmal braucht, beim Selbstbasteln geht immer was schief wie z.b. gestern in der Nacht nach 12 habe ich meinen Hydraulik Topf Deckel mit der Bremsflüssigkeit bespritzt und heute morgen sieht der grausam gammelig aus.... sowas ärgert einen und macht mehr Arbeit, aber ich habe null Kosten gehabt und so ist der Austausch des Deckels ärgerlich, aber verkraftbar.

Vor zwei Monaten hatte ich ein Problem mit dem Thermostat, mir war es selbst zu heikel daran rum zu basteln, aber nun habe ich bis heute in allen Ecken des Motorraums wo man nicht hin kommt Aluspäne, weil die unbedingt alle Schrauben ausbohren mussten. Das hat mich mehr geärgert, als vorhin einen neuen Deckel in England zu bestellen.

Die gewerbliche KFZ-Werkstatt muss mit ihrer Tätigkeit Geld verdienen. Da ist die Abwägung ob Instandsetzung oder Austausch durchaus legitim, denn die Werkstatt hat eines nicht über was man als privater Schrauber verfügt: Zeit. Die Arbeiten an alten Wagen werden da durchaus mit zweierlei Maß gemessen. Solange es E-Teile im Austausch gibt, liegt die Versuchung nah, solche Komponenten zu tauschen.

Nichts gegen das Geld verdienen, jedem der sein Job ordentlich macht gönne ich auch einen faires Gehalt und bezahle ich es gerne.

Die meisten in Deutschland tätigen Leute wollen nur Geld verdienen und stellen sich das so ein, dass es schnell und einfach ist. In England in der Heimat unserer Fahrzeuge überholen auch namhafte Fachbetriebe Teile und tauschen nicht aus.

Nehmen wir das Beispiel des height control solenoid es kostet ca. 234.00 Pfund je nach Anbieter mehr oder weniger. Die Überholung war innerhalb einer Stunde inc Fotos und Studium des Teils erledigt. Als Betrieb kann ich das mit 1 1/2 Arbeitsstunden berechnen plus Dichtungen in Rechnung stellen.

Was für eine Handelsspanne kann ich den auf das Neue-Ersatzteil aufschlagen in deinen Augen?


 



 

Offline ex.BentleyDriver

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Re: Shadow Komeptenz
« Antwort #5 am: Do.06.Jan 2011/ 18:36:50 »

"ein erfahrener Meister " das klingt sehr Vertrauens förderlich, aber wo arbeitet der noch selbst?! Die meisten Betriebe wird doch nur noch angewiesen vom Meister und nicht selbst gearbeitet, dann hilft auch nur indirekt dessen Kompetenz.


Hallo PMX-251K,

selbst für die üblichen Werkstätten der aktuellen Fahrzeuge lasse ich das nur z.T. gelten. Denn täusche Dich nicht, auch dort arbeiten oft genug Meister und Gesellen an den Wagen selbst. Derjenige, der den Wagen in großen Betrieben annimmt mag zwar Meister sein, was aber nicht automatisch bedeutet, dass dann der Wagen nur an Hilfsbremser abgegeben wird. In meiner Mercedeswerkstatt sind hinten in den Hallen mehr Meister als vorne an den Annahmeplätzen. Selbiges gilt auch noch für 2 andere namhafte Automarken, wo ich andere Fahrzeuge warten lasse.

Und übrigens, bei allen Werkstätten in die ich meine Oldtimer gebracht habe, hat immer der Meister selbst geschraubt! Das ist bei kleineren Betrieben nichts Ungewöhnliches und schon garnichts Seltenes. 

Gruß
BentleyDriver
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Re: Shadow Komeptenz
« Antwort #6 am: Fr.07.Jan 2011/ 09:18:01 »
Grüezi BentleyDriver + PMX-251K

Danke für Euren Input.  PMX-251K, ich beneide Dich um Deine Fachkompetenz und würde mir, wäre ich Dich, überlegen, eine Fachwerkstätte für Shadows und T's zu eröffnen. Der Bedarf an Reparaturkapazitäten schätze ich hoch ein, sollen diese cars weiter gleiten.

Hier eine Story, eine von vielen- die ich so erleb(t)e: 1973 Bentley T1

Sie wurde von einer renommierten Garage betreut. Ich fand die Lady auch auf der Homepage der Garage. Als dort ich anrief, erhielt ich:
...die Auskunft das Auto sei technisch perfekt und frisch vorgeführt.
...und die Adresse des Besitzers

Und so fuhr ich los. Der Besitzer meinte dann aber als erstes, als ich dort auftauchte, er müsse mir etwas sagen: „Am Armaturenbrett leuchte dauernd eine Lampe (es war die "Partial brake failure lamp"!) Die löscht dann mal, wenn ich lange fahre.“ Ich machte schnell den Drucktest und stellte sofort fest, dass einer der Druckzylinder im Eimer war oder sonst ein Defekt an diesem komplexen Hydrauliksystem. Der Besitzer schaute mir erstaunt zu bei dem Test. "Den kannte ich nicht." Ich wollte gleich wieder gehen, ging dann aber trotzdem mit ihm auf eine Probefahrt. Unterhielt mich sehr gut mit dem 81jährigen Besitzer, der in der Armee einen hohen Posten bekleidete und dann im Aussenministerium tätig war, internationale Verhandlungen und so führte. Ich wollte eigentlich das Auto nicht. Aber er fragte mich, was ich den dafür zu bezahlen bereit wäre. Sagte ihm, wir hatten uns vorher intensiv über Verhandlungsstrategien unterhalten: "Herr XY, sie als gewiefter Verhandler wissen: "Eine Meinung kann von einer anderen soweit entfernt sein, dass es unanständig ist, sie zu äussern, ich möchte Ihnen deshalb den Preis nicht nennen." "Machen Sie nur," antwortete er, "Ich kann's ertragen." Ich nannte ihm eine ungefähre Summe, die wenig mehr als die Hälfte des Preises im Inserat betrug! Er meinte zu meiner nicht gelinden Überraschung: „OK, darüber können wir reden."

Weitere interessante Details: Das Auto war mehrere Male bei der Garage wegen dem Fehler in Reparatur gewesen.
Die hatten das nicht in den Griff bekommen. Mit dem Auto kam ein ganzer Satz Werkstattbücher. "Aus denen habe ich für den Mechaniker auf Deutsch übersetzt," wenn etwas war, enthüllte mir der alte Mann!!!

Ich fuhr dann nach Hause, es war ein Samstag, war mir aber immer noch nicht sicher. Konnte auch nicht mehr auf die Bank. Dann liess ich's draufankommen und rief ihn an: "Sie, ich habe € im Haus und noch 1 Tausender Noten sFr. Das macht etwas weniger als den ungefähren Betrag über den wir sprachen." Er sagte zu. So genug hatte er offensichtlich von seinen Auto, resp. den Problemen damit. Probleme die eine Garage mit RR Erfahrung beim ersten Mal löst. Mir wäre es übrigens auch egal gewesen, wenn es ein "Nein" gewesen wäre.

Es waren dann tatsächlich die Druckbehälter die defekt waren. Und der Schalter, der sitzt j auch ganz in der Nähe dort. Der Schalter kann ausgetauscht, aber auch repariert werden. Meiner wurde repariert.

Quintessenz: Man kann einen Shadow oder T nur einer Werkstatt übergeben, die auf diese cars spezialisiert ist. Die gibt es nicht um jede Ecke.

Ich bezahlte für den Bentley ca 10'000 €, die Hälfte des geforderten Betrages. Mit den Reparaturen komme ich in etwa auf den ursprünglichen Betrag.

Bei uns (bei Euch wird es ähnlich seind), kommt -wie oben beschrieben- das Sprachproblem hinzu. Diejenigen, welche fachlich auf der Höhe sind können oft nicht genug englisch und diejenigen, die Englisch einigermassen beherrschen, wie zB ich, sind technisch nicht fit. Habe gerade im Moment ein solches Problem mit einem 25 /30 Motor, wo die big end bearing nicht in die connecting rods passen. 

Gruss + schönes Weekend
Ruedi
RR/B fahren = Lebenskunst

Offline cferbrecht

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Re: Shadow Komeptenz
« Antwort #7 am: Di.18.Jan 2011/ 14:53:57 »
Nur noch als Ergänzung zu dieser Diskussion: Wir haben ja eine Werkstatt, in der wir vom ölwechsel bis zur Komplettrestaurierung alles machen, und wir haben einen Teileversand, der praktisch ganz Europa mit neuen originalen oder nachgefertigten Teilen sowie mit Austausch- und Gebrauchtteilen beliefert - wir kennen also das ganze Spektrum an Kundenbedürfnissen: kompetente Selbstschrauber und engagierte Werkstätten, die Willens und in der Lage sind, alle möglichen Teile selbst zu zerlegen und zu überholen, und solche mit wenig bis keiner Ahnung, die viel Rat und möglichst unproblematische Austauschteile möchten. Beide Herangehensweisen haben ihre Berechtigung und werden von uns gern bedient - im Falle des Umschaltventiles für die Geschwindigkeit der Niveauregulierung ("Solenoid Valve") liefern wir z.B. den Überholsatz für 8,50€ oder das Teil im Austausch für 120€ (jeweils +MWSt., falls anfallend).

Für eine Werkstatt, die das Teil noch nie zerlegt hat und sich erst mit der Funktion vertraut machen müsste, um es korrekt zusammenzubauen und im Trial-and Error-Verfahren einzustellen, ist der Austausch sinnvoller und für den Kunden wahrscheinlich letztlich billiger; falls jemand das aber schon öfter gemacht hat, ist es in einer Stunde erledigt.

Grüße aus dem Norden
Claus F. Erbrecht
Heaven's Gate Garage
www.bentleyteile.de
Quidvis recte factum, quamvis humile, praeclarum