Hallo Sedancalette,
interessanter Ansatz.
Meine Antwort auf Deine Frage lautet: Ja, diese Wagen werden auch noch in vielen Jahren von vielen Oldtimerliebhabern gepflegt und gewartet werden. Die Wagen sind auf dem Sprung vom Klassiker zum Oldtimer, wenn mal die ganzen ungepflegten und schlecht gewarteten Möhren das zeitliche gesegnet haben, wird sich viel Aufregung gelegt haben. Verglichen mit der Komplexität heutiger Fahrzeuge liegen die Shadows doch garnicht mal so schlecht.

Meine Erfahrungen sind dergestalt, dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist und man auch jüngeren Nachwuchstalenten die Möglichkeit geben sollte nicht nur am Wissen zu partizipieren sondern auch ihre eigenen Erfahrungen zu machen. Grundvoraussetzung sollte natürlich sein, das die jeweiligen 'Talente' willens sind, sich der Herausforderung zu stellen und nicht mit gesundem Halbwissen und der Einstellung, was die Engländer denn alles für einen Blödsinn gemacht haben, an diese Sache heran gehen.
Meine Erfahrungen zu dem Thema Werkstätten sind vielfältig und ich bin immer dann gut gefahren, wenn ich mir vorher einen Eindruck von dem jeweiligen Meister gemacht habe und ihn auf obige Kriterien hin, wohl bemerkt für mich, geprüft habe. Dabei bin ich immer gut gefahren, wenn die Meister eher jüngeren Datums waren, meist sogar <40. Einige in der Altersgruppe sehen noch viele Berufsjahre vor sich und haben verstanden, dass Erfahrungen, Wissen und der Wille zur Fortbildung die Basis für viele weitere erfolgreiche Berufsjahre sind. Zudem sind mir diese Jungs lieber, als wenn so ein alteingestandener Meister, der den vermeintlichen Eindruck macht er hätte schon alles im Leben gesehen, sich als Hüter des heiligen Grals hinstellt und am Ende des Tages doch nur teuer bezahlten Mist abliefert. Das Paradebeispiel für dieses Kapitel ist fast wöchentlich im Fernsehen zu sehen: Bei vox → automobil → die Autodoktoren.
Aber ich habe auch seit vielen Jahren den Eindruck, dass die vermeintliche Tatsache, dass sich hinter den Werkstattoren ein ziemlich rechtsfreier Raum befindet, von den meisten Werkstätten gut gepflegt wird. Wenn ich hier meine neueren Alltagsautos in die Werkstätten gebe, lesen sich die Vertragsbedingungen wie der Verzicht auf jegliche Einflussnahme des Kunden. An dieser Stelle finde ich den Ansatz von DRB15051 mit seiner Corniche richtungsweisend, der mit seiner jetzigen Werkstatt einen klar definierten Vertrag ausgemacht hat. Macht Mühe, aber hilft am Ende des Tages beiden Seiten.
Mit viel Lehrgeld bezahlt, habe ich mittlerweile einen für mich klareren Weg bei der Werkstattbeauftragung eingeschlagen. Ich habe mir für mich die Mühe gemacht sämtliche Wartungsarbeiten a.) zu übersetzen und b.) in tabellarischer Form niederzuschreiben. Dort sind alle notwendigen Arbeiten incl. der benötigten Ersatzteile (z.B. Öle, Fette, etc.) aufgelistet. Bei Sonderarbeiten mache ich mir die Mühe diese vorab zu recherchieren und ggf. die entsprechenden Auszüge aus den Werkstatthandbüchern oder Bulletins auszudrucken und meinem Auftrag beizulegen. Es versteht sich von selbst, dass ich vorab der Werkstatt meines Vertrauens sämtliche Unterlagen in Schriftform zum Nachlesen und Studieren überlasse (mehrere Ordner). Die Ersatzteilbeschaffung für meinen Bentley regele ich ausschließlich mit der Heavens Gate Garage, die meiner jeweiligen Werkstatt im Zweifel auch mit Rat und Tat beiseite steht, was an einigen Stellen schon horrende Kosten gespart hat. Jedoch auch bei so einem Vorgehen bin ich sicherlich nicht gefeit vor unsachgemäßer Reparatur, Pfusch, usw. aber ich grenze die möglichen Fehlerquellen meinerseits ein und bin i.d.R. auch ganz zufrieden mit dem Ergebnis.
Und obendrein gibt es noch das liebe Internet. Auf Plattformen wie dieser hier sammeln sich beständig Wissen und Erfahrungsberichte an, die äußerst hilfreich sind. Ich habe für einen anderen alten Oldtimer im Zuge einer Vollrestauration vor Jahren übers Internet derart viele Hilfestellung und völlig exotische Ersatzteile bekommen (AUS, NZ, RSA; ARG, USA, CAN, usw.), das war schon beeindruckend und öffnet dem hilfesuchenden Enthusiasten völlig neue Tore.
Aber, um den Bogen zu Deiner Ausgangsfrage zu spannen, ich halte es für unerlässlich, dass sich der Oldtimerbesitzer mit seinem Wagen und der Technik auseinander setzt. Den Wagen einfach nur, wie einen aktuellen Benz, BWM, Audi, VW, Opel, etc. am Werkstatttresen abzugeben nach dem Motto macht ihr mal schön, funktioniert in meinen Augen jetzt und auch in Zukunft nicht. Und welcher Spruch passt zu Deiner Aussage besser aus: Tradition heißt nicht die Asche zu bewahren, sondern das Feuer weitergeben. Die Werkstätten und Meister, die das verstanden haben, werden auch in Zukunft Fahrzeuge wie Eure Shadows warten und reparieren können. Frag mal Deinen Bill an wen er sein Wissen weitergibt.

Beste Grüße
BentleyDriver