Zum TurboR gibt es im Forum schon jede Menge an Ratschlägen, Hinweisen, Warnungen pp. Das Dilemma in dieser Hinsicht im Forum ist, daß es keine Rubrik "Kaufberatung" gibt. Unter "TurboR pp" die entsprechenden Hinweise zu finden, ist denkbar mühsam und ineffektiv. Es wäre schön einfach und angenehm, wenn eine Rubrik "Kaufbetraung" exitieren würde, wo solche Beiträge und Themen wie das vorliegende sozusagen auf einem halbwegs geordneten Haufen zu finden wären.
Grundsätzlich würde ich sagen: Wenn man rund
30.000 Euro für den Kauf hat, dann ist man beim TurboR besser aufgehoben als beim Arnage. Es hat schon seinen Grund, daß mancher TurboR teurer ist als mancher Arnage, ja selbst viele Shadow/T sind längst teurer als ein TurboR oder sogar ein Arnage - warum wohl?
Bei dem ausgesuchten TurboR sollte man zuerst die
Fahrgestellnummer erfragen, um zu sehen, ob die Angaben in der Anzeige stimmig sein. Der verlinkte TurboR dürfte wohl wirklich ein Modelljahr 95 sein, der dann auch einen Turbobooster und die Bosch-Motronic M3.3 hat. Ab Modelljahr 96 haben alle TurboR die Zytek-Steuerung.
Bei Fahrzeugen, die viel rumgestanden haben, macht das
Viergangetriebe - das ja eigentlich ein Fünfganggetriebe ist, denn der Overdrive wirkt wie ein 5. Gang mit starrer Verbindung - häufig Ärger. Der Mangel liegt in der Drucksteuerung, nach langer Standzeit dauert es (zu) lange, bis der erforderliche Druck vorhanden ist, so daß das Getriebe anfangs mit mangelhaftem Öldruck arbeitet und entsprechend hohen Verschleiß aufweist. Die Begründung ist noch ziemlich laienhaft, weil ich sie nicht wirklich verstanden habe, dem nachgeplappert, was man so liest und hört. Es wird Abhilfe angeboten, aber ob die dauerhaft wirkt, ist mir nicht bekannt. Grundsätzlich ist das aber ein schönes unproblematisches Getriebe - nur ist das Dreiganggetriebe eben noch problemloser, weil es gar keine Elektronik enthält, und das gibt es nur bis Modelljahr 91, also sind die letzten Mitte 91 ausgeliefert worden, mit MCX36323 ist Schluß mit dem Dreiganggetriebe. Die mit Viergang fangen mit 44000 an.
Um nicht versteckte Fehler in der
Getriebe- und Motorsteuerung untergejubelt zu bekommen, sollte man nach einer Probefahrt die Fehlerspeicher von Motor- und Gebtriebesteuerung (letztere nur bei 4-Gang) auslesen. Das wird im Forum beschrieben, ggf. muß man halt jemanden mit Sachverstand dabeihaben. Da die Fehlerspeicher durch Abschalten der Batterie gelöscht werden, hat die Aktion nur Sinn nach einer ausgiebigen Probefahrt. Erst bei späteren Modelljahren (genaue Angabe ist irgendwo im Werkstatthandbuch versteckt) gibt es eine direkte Verbindung zwischen den jeweiligen ECUs und der Batterie, so daß Batterieabschalten die Fehlerspeicher nicht löscht.
Wichtig ist auch, auf das
automatische Fahrwerk zu achten,
ARC genannt. Der Fehlerspeicher des Steuergeräts kann nur mit einem eigenen Gerät ausgelesen werden. Aber das Auto muß bis etwa 50 km/h sehr weich fahren, bis 110 km/h fährt es dann mittelweich oder -hart, darüber hart (bei RR-Modellen ist das anders angelegt). Viele TurboR haben ein modifiziertes Eprom, das die weiche Einstellung eliminiert. Deshalb ist schwer zu sagen, ob das ARC nicht richtig arbeitet oder modifiziert wurde, wenn man ein Auto probefährt. Überhaupt arbeitet das ARC erst ab ca. 5 km/h, ist im Stand also gar nicht prüfbar ohne Testgerät. Im Schrittempo einen Bordstein runterfahren, kann ein Test sein: Das Erste Rad, das den Bordstein runterplumpst, muß ein weiches Einfedern auslösen, beim zweiten Rad sollte/könnte es schön eine Stufe härter reagieren; reagiert das erste Rad schon hart, als ohne nennenswertes Einfedern, ist was faul. Ein permanent auf hart fahrender TurboR hat einen Fehler in der Steuerung. Ursachen gibt es zahlreiche, ein Fehler in einem einzigen Federbein oder seiner Ansteuerung sorgt dafür, daß nur noch auf hart geschaltet wird. Das ist im Fahrbetrieb nervig unkomfortabel ... und kann auch, wenn es den Eindruck macht, nur von hinten zu kommen, an ausgedienten Federkugeln liegen, eine einfache, nicht teure Reparatur.
Überhaupt sind diese
Druckspeicher (hinten heißen sie Federkugeln, weil damit gefedert wird, die Spiralfedern sind nur für den Notfall und zur Unterstützung da) wichtig: Es gibt zwei Warnanzeigen im oberen Teil des Displays, wenn sie blinken, darf nicht gefahren werden. Wenn sie beim Einschalten der Zündung leuchten, müssen sie kurz nach dem Motorstart ausgehen. Sind sie aus, halte den Motor an, warte eine Minute, schalte die Zündung wieder ein - wenn die Warnleuchten wieder an sind, ist was faul, die Druckspeicher halten den Druck nicht mehr - evtl. sind auch die Regelventile beteiligt, dann wird`s aufwändig, und wenn man`s nicht selbst macht, auch teuer.
Auch beim TurboR kann der
Kilometerstand manipuliert oder die Anzeigeeinheit ausgetauscht sein. Wie man in den Kilometerstand schaut, der unabhänging von der Tachoeinheit gezählt wird, steht hier
http://www.bentley-forum.de/board/index.php?topic=2919.0 Dich braucht aber nicht die Erklärung zu den einzelnen Strichcodes zu interessieren. Um den versteckten Gesamtkilometerstand einzuschalten, mußt Du nur, wenn die Stricode-Leiste erscheint, einmal "Cancel" drücken, dann erscheint ganz links über "Trip" auch noch "Tot". Jetzt wird die Zündung aus- und wieder eingeschaltet, und wenn Du jetzt auf "Trip" drückst, erscheint im Tageskilometerzähler der wirklich gefahrene Kilometerstand, der weicht immer etwas vom Kilometerzähler ab, weil der Wert dort ja auch vom Reifenumfang abhängt und daher mit neuen Reifen anders zählt als mit abgefahrenen, aber der Unterschied darf nicht groß sein, allenfalls ein paar 100 Kilometer auf knapp 300.000 km, die mein TurboR gelaufen hat. Mit dem nächsten Abschalten der Batterie ist diese Möglichkeit dann wieder gelöscht.
Ich habe schon TurboR gesehen, die waren
manipuliert hinsichtlich der Motorsteuerung. Wenn die Zündung eingeschaltet wird, muß für eine Sekunde beim linken Hinterrad ein Summen zu hören sein, dort sitzen die Benzinpumpen, die laufen an und beaufschlagen den Druckregler mit etwa 5 bar Kraftstoffdruck, dann springt der Motor auch gut an. Wenn das Summen fehlt, und zwar bei jedem Einschalten der Zündung, dann ist aller Wahrscheinlichkeit nach das Engine-ECU fehlerhaft. Das Auto fährt auch mit defektem ECU, aber dann müssen die Benzinpumpen überbrückt werden, weil sie eigentlich vom defekten ECU blockiert werden. Das Auto fährt dann mit überbrückten Pumpen ganz hübsch, der unerfahrene Laie wird nichts merken, aber es gibt im Verlauf des Betriebs dann genügend Situationen, wo man sich fragt, ob da wirklich alles stimmt, vom Kaltstart über den Warmstart und den Benzinverbrauch bis hin zum Gasnannehmen.
Lies im Forum nach über die berühmten
Kontrollbohrungen, da darf keine Feuchtigkeit sichtbar sein, weder Wasser noch Öl und schon gar keine Mischung der beiden. Hier gilt dasselbe wie beim Shadow, der Motor ist von der Kontruktion her gleich.
Eine Schwachstelle ist beim TurboR das
Lenkgetriebe, das wegen dem Turbolader viel mehr Hitze ausgesetzt ist als bei den Non-Turbos. Die Rohrleitung läuft im Abstand von nur 2 cm längs des Lenkgetriebes, die inneren Dichtungen leiden darunter. Viele Getriebe werden unsachgemäß überholt und sind nach ein paar Tausend Kilometern wieder undicht, weil die Dichtungen falsch behandelt werden und nicht die im Vergleich zu den Non-Turbos stärkere Hitzeeinwirkung berücksichtigt wird. Wenn es an den Manschetten feucht ist, laß Dir nicht einreden, das sei mit dem Tausch der Manschetten schnell erledigt. Im Gegenteil, die Sache kostet mindenstens 500 Euro ... und geht, wenn Du Pech hast und an den falschen gerätst, danach gleich wieder los.
Das sollen mal nur ein paar Hinweise sein. Man kann nicht alle Möglichkeiten von Gründen, argwöhnisch zu werden, hier aufführen. Ggf. mußt Du konkret nachfragen.
Was
Unterhaltskosten angeht, steht und fällt das mit der Frage, was einer selbst erledigen kann. Eine Motorüberholung kostet ein Vermögen, ein Getriebe dagegen sozusagen einen Apfel und ein Ei. Ersatzteile gibt es gute gebrauchte, was die Kosten überschaubar hält, und Arbeit, die man nicht selbst erledigen kann, muß nicht unbedingt in der RR-Vertragswerkstatt erledigt werden. Unverzichtbar ist das Werkstatthandbuch, viele Arbeiten kann dann jede gute Werkstatt durchführen, jeder Boschdienst kennt die Motronic, ob M1.1 oder M3.3. Viele Teile sind identisch mit denen von Porsche (Verteiler, Leerlaufregler, ...) oder Mercedes (wesentliche Teile der Einspritzanlage) oder Opel (Tempomat, Lichtmaschine, ...) oder LandRover (Viscolüfter) und so weiter. Eine Markenwerkstatt würde ich mit einem TurboR nicht mehr aufsuchen.
Ein wichtiger Kostenpunkt sind die
Reifen. Der von Dir anvisierte TurboR hat offenbar noch 15"-Räder, evtl. sind es auch 16". Reifen dafür gibt es in der originalen Größe nur von Avon zu abenteuerlichen Preisen. Es gibt von Hankook breitere Alternativen, aber die sind unkomfortabel laut. Vernünftig ist der Wechsel auf 17"-Felgen. Da gibt es ordentliche Reifenauswahl zu vertretbaren Preisen, ob nun von Continental, Bridgestone, Firestone, Michelin oder den Billiganbietern aus Fernost. Die Abhängikeit von Avon mit diesen Felgen, die das Auto hat, würde ich als Preisdrücker verwenden - abgesehen von anderen Mängeln, die sich noch finden und nicht im Preis berücksichtigt sein mögen.
Zu
Steuern und Versicherung müssen andere was sagen, ich bin schon seit 12 Jahren nicht mehr in Deutschland.
Viel Spaß und viel Erfolg - Gruß - Udo