Autor Thema: Benzinüberlauf?  (Gelesen 4037 mal)

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Offline wero

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Benzinüberlauf?
« am: Do.26.Nov 2009/ 23:37:22 »
Als ich meinen RRSilverShadowI1973 von unten mit Bremsenreiniger von Ölspuren befreite, entdeckte ich neben dem Automatikgetriebe von unten ein Kunstoffrohr mit einem Gehäuse (Filter?) dran, aus dem eine Flüssigkeit heraustropft, die nach Benzin riecht? Kann es sein, dass es da so eine Art Benzinüberlauf gibt, wo überschüssiges Benzin von der Benzinpumpe rausläuft? Tatsächlich riecht der Wagen auch innen während und nach der Fahrt seit kurzem nach Benzin...

Offline Udinho

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #1 am: Fr.27.Nov 2009/ 00:08:06 »
Wero, da hast Du ein Problem, das umfassender ist, als es auf den ersten Blick erscheint.

Da, wo Du einen Benzinauslauf vermutest, ist tatsächlich ein Ventil, das Benzin, das zuviel in einer der Schwimmerkammern (oder beiden) ankommt, abgelassen wird. Dieses Ventil muß aber immer fest geschlossen sein, wenn der Motor läuft. Denn dieses Schlauchsystem, über das auch das überschüssige Benzin abfließt, ist zugleich auch das System für die Gemischabreicherung  bei warmem Motor. Damit das alles richtig funktioniert, muß da unten dieses Ventil dicht schließen, es darf nur aufgrund der Schwerkraft des Benzin kurzfristig öffnen, um letzteres ablaufen zu lassen.

Wenn da unten Benzin rauskommt, schließt mindestens eine der beiden Schwimmerkammern nicht richtig. Das Ventil in der Schwimmerkammer des Vergasers  (oder beiden) läuft schief in seinem Sitz, die Gabel, über die der Schwimmer das Ventil schließt, ist nicht richtig gebogen, das Ventil ist verschmutzt ... eine Reihe von Möglichkeiten bietet sich da an. Es hilft nur, unter Zuhilfenahme des Handbuchs den Ventilsitz zu reinigen, auch den Filter am Einlaß zur Schwimmerkammer, und die Gabel in der Schwimmerkammer korrekt einzustellen, damit das Schwimmernadelventil auch wirklich sauber den Benzinzufluß in die Schwimmerkammer blokciert, wenn der richtige Benzinstand in der Schwimmerkammer erreicht ist. Das kann man hier kaum darstellen, es wäre ein langer Aufsatz, im Handbuch ist das bestens beschrieben.

Um zu sehen, ob das ganze System überhaupt dicht ist, mußt Du bei Leerlauf auf der Seite in Fahrtrichtung links vorne neben dem Klimakompressor das kleine Einlaßrohr zu dem schwarzen runden kleinen Luftfilter zuhalten, dessen Schlauch zum Vergaser führt (vorher verzweigt er noch mal). Der Motor muß dann sofort ausgehen. Tut er das nicht, ist keine ordentliche Vergasereinstellung möglich. Dann mußt Du entweder in eine erfahrene Werkstatt - und das ist dann einiger der wenigen Fälle, wo auch ich sage: Es muß eine Werkstatt sein, die die Funktionsweise der Vergasereinheit eines Shadow wirklich kennt, jeder andere pfuscht herum. Oder Du mußt das Handbuch nehmen und studieren, wie das alles zusammenhängt, um das selbst zu begreifen, in Ordnung zu bringen und richtig einzustellen.

Ich habe mal hier im Forum lang und breit ausgeführt, wie diese Abreicherung funktioniert, schau mal hier http://www.bentley-forum.de/board/index.php?topic=115.0, Antworten Nr. 10 und 12. Darin ist Dein Problem enthalten, es ist Teil des ganzen Abreicherungssystems.

Du mußt jedenfalls zuerst prüfen, ob der Motor stehenbleibt, wenn Du den Filter zuhältst. Wenn ja, alles bestens. Dann kannst Du Dich um die Schwimmerkammer(n) kümmern, um das Problem des überlaufenden Benzins abzustellen. Wenn nein, gilt dasselbe plus Fehlersuche nach der Undichtigkeit im Schlauchsystem der Abreicherung - wenn Du Glück hast, ist es nur dieses Ventil da unten, wo das Benzin rausläuft, wenn da Schmutz reingekommen ist - da reicht ein Sandkörnchen -, dann funktioniert das nicht mehr. Das Ventil kann man zerlegen und reinigen.

Viel Erfolg! Gruß - Udinho
« Letzte Änderung: Fr.27.Nov 2009/ 00:16:51 von Udinho »
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Offline cferbrecht

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #2 am: Fr.27.Nov 2009/ 17:04:33 »
Wenn bei laufendem Motor kein Benzin rauskommt, ist alles okay (in diesem Punkt); wenn nach dem Abstellen des warmen Motors ein paar Tropfen herauskommen, ist das auch in Ordnung – dafür ist das Ventil ja da, wenn ich das richtig verstanden habe.

Grüße aus dem Norden
Claus F. Erbrecht
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Offline Udinho

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #3 am: Fr.27.Nov 2009/ 17:30:39 »
Verstehe ich nicht, Herr Erbrecht: Warum sollte denn da überhaupt was rauskommen? Doch nur, wenn eine der Schwimmerkammern überläuft, oder? Einen anderen Zugang für Benzin dorthin sehe ich nicht.

Und damit ist die Frage - wenn Sie denn recht hätten: Wann darf die Schwimmerkammer überlaufen? Ich würde antworten: Nie, das passiert nur, wenn das Ventil zu spät oder nicht richtig schließt.

Oder wo mache ich einen Fehler?

Gruß - Udinho
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Offline cferbrecht

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #4 am: Fr.27.Nov 2009/ 18:26:41 »
Die Schwimmerkammern laufen über, wenn während der Fahrt relativ kühles Benzin in die Schwimmerkammern gepumpt worden ist und man den Motor abstellt – dann wird das Benzin erwärmt und dehnt sich aus (die nicht mehr über den Kühler abgeführte Hitze des Motors wirkt hier recht stark). Da das Schwimmernadelventil geschlossen ist (und durch die Pumpen sowieso nichts zurücklaufen könnte), fließt es in den Vergaser und dort in die Ablaufleitung und/oder direkt in die Überlaufleitungen, die oben von den Kammern abgehen.

Deswegen tropft es bei Clouds und Shadows häufig nach dem Abstellen des Motors aus diesen Leitungen. Fahrzeuge mit Einspritzung bekamen sowieso Rücklaufleitungen für das überschüssige Benzin, so dass das "Problem" dort nicht mehr auftritt.

Dieser Effekt ist auch dafür verantwortlich, dass insbesondere Cloud II und III oft schlecht anspringen, wenn sie heiß abgestellt und nach relativ kurzer Zeit wieder gestartet werden – die Vergaser sind einfach geflutet. Abhilfe schafft es, den Motor einige Umdrehungen mit Vollgas zu starten, um den Ansaugtrakt zu lüften, dann (oder beim Anspringen natürlich) das Gaspedal loszulassen.

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Claus F. Erbrecht
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Offline wero

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #5 am: Fr.27.Nov 2009/ 20:57:49 »
Tatsächlich ist der Motor vorher gelaufen, danach habe ich mich unters Auto gelegt und die Tropfen gesehen und gerochen. Also scheint das dann normal zu sein! Ist ja eigentlich nicht ungefährlich, wenn man über einer brennenden Kippe parkt und von oben die Benzintropfen drauftropfen. So ist schnell der Rolli abgebrannt...

Offline Udinho

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #6 am: Fr.27.Nov 2009/ 21:28:47 »
Stimmt wohl so, wie Herr Erbrecht sagt.

Denn oben aus der Schwimmerkammer kann das Benzin raus, da ist kein Verschluß vorhanden. Aber es kann nicht in den Vergaser laufen, sondern eben über den Sammler und das Ventil nach draußen.

Habe ich eben doch was übersehen.

Gruß - Udinho
« Letzte Änderung: Fr.27.Nov 2009/ 21:40:28 von Udinho »
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Offline cferbrecht

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #7 am: Fr.27.Nov 2009/ 21:43:50 »
Naja, es kann schon in den Vergaser laufen – wenn der Pegel in der Schwimmerkammer steigt, steigt er auch im Saugrohr (der Düse), und das läuft dann über und in den Vergaser. Die Düsennadel schließt die Düse ja nicht ganz ab.


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Offline Udinho

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #8 am: Fr.27.Nov 2009/ 23:45:25 »
Stimmt, aber bei laufendem Motor nur theoretisch und fehlerhafterweise - denke ich mir. Denn bei der im Handbuch vorgegebenen Einstellung der Gabel sollte es doch ausgeschlossen sein, daß soviel Benzin in die Kammer läuft, daß der Stand über das richtige Niveau steigt. Das ist doch der Sinn der Einstellung über die Gabel in der Schwimmerkammer: Das Ventil macht dicht, wenn die richtige Höhe erreicht ist, egal ob wegen zufließenden Benzins oder wegen Ausdehnung des schon vorhandenen Benzins.

Aber klar, wenn der Motor ausgeschaltet ist, wird kein Benzin mehr über die Brücke abgesaugt. Durch Ausdehnung dann aus der Düse laufendes Benzin sammelt sich auf der Brücke - oder im Extremfall im Sammler, über den es nach draußen abläuft.

Um so wichtiger ist der Weakener, der ja gerade dafür sorgt, daß das Benzin in der Kammer/Düse tief genug steht, um den Effekt der Ausdehnung durch Erwärmung auszugleichen und zugleich den warmen Motor mit etwas magererem Gemisch zu versorgen als den kalten Motor. Ein nicht funktionierender oder falsch eingestellter Weakener wird regelmäßig zu schwierigem Warmstart führen und/oder schlechtem Kaltstart. Bei meinem Shadow habe ich solange herumkorrigiert an der Einstellung, bis der Motor kalt tadellos auf einen Tick des Anlassers anspringt, warm nahezu tadellos - ganz läßt sich der Effekt mit erhöhtem Benzinspiegel in der Kammer/auf der Brücke wohl nicht vermeiden. Ein Sockel aus schlecht wärmeleitendem Material von ca. 1 cm Dicke zwischen Ansaugspinne und Vergasereinheit soll die Erwärmung maßgeblich unterbinden (im australischen Forum vorgestellt).

Aber - warum geht das Spiel, wenn die Einstellung einmal gut ist, nach einem halben Jahr oder so von Neuem los? Warum verstellt sich das wieder von allein? Das leuchtet mir nicht so recht ein.

Gruß - Udinho

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #9 am: Sa.28.Nov 2009/ 09:02:56 »
Lese den Thread und dem zu Beginn verlinkten zum Thema Weakener und Überlauf mit Spannung mit.

Was ich so lese, insbesondere deine (Udo) Erklärungen zum Weakener, sind so schlüssig, dass ich mich frage, wie mein Frühchen ohne diese Einrichtung überhaupt funktoniert..... Bis jetzt sind sowohl die Kalt- als auch die Warmstarts vollkommen in Ordnung. Allerdings ist das hier ja auch alles gemäßigt. Habe ihn noch nicht bei Minusgrade gestartet und auch noch nicht nach einer anstrengenen Alpenüberquerung.
Nur wenn er mal ein oder zwei Monate nicht lief, braucht er zwei Anläufe.

Wenn du also bei deinem Wagen mit dem Weakener das Verhalten massgeblich beeinflussen kannst, ist das dann verglichen mit den frühen Fahrzeugen klagen auf hohem Niveau? Oder hat das Einbringen der Einrichtung neben Vorteilen auch andere Nachteile mitsichgebracht?
SRH4422 von 10/1968

Offline Udinho

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #10 am: Sa.28.Nov 2009/ 09:30:52 »
Der Weakener allein ist ja nicht wirklich das Problem, sondern das Zusammenspiel verschiedener Komponenten: Richtig eingestellt sein muß

- der Weakener (mit Hilfe von Unterdruck über kommunizierende Röhren)
- der Benzinspiegel in der Schwimmerkammer
- das Gemisch
- beim HD8 auch die Umluft
- das ganze System muß 100%ig dicht sein

um nur einige Sachen zu nennen.

Ich kann mir gut vorstellen, daß der Motor ohne diesen Weakener auch gut läuft, aber eben insgesamt wohl eher fetter, und die damit schlechteren Abgase führten auf die Suche nach einem Weg, die Abgase zu verbessern. Der Weakener ist so ein Anfang. Man kann ihn aber nicht einfach wegmachen, denn wo die zentrale Stelle auf dem Vergaser sitzt, da sind ja auch im Vergaser Bohrungen, und wenn man die einfach nach Entfernen der Weakener-Vorrichtung zumachen oder offenlassen würde, dann ginge nichts mehr, da müßte einiges an Einstellungen geändert werden.

Wenn also dieser Weakener installiert ist, dann führt kein Weg daran vorbei, sich damit zu befassen. Vielleicht kannst Du ja froh sein, daß Deiner so was nicht hat. Das ist wie beim TurboR in anderer Hinsicht: Da verstehe ich mittlerweile, was wie mit welchen Mitteln geregelt wird, aber ich möchte keinen fast 20 Jahre alten Arnage haben, ich fürchte, an der elektronischen Regelei des Motors würde ich verzweifeln. Überhaupt befürchte ich, daß diese elektronisch hochgezüchteten Fahrzeuge im Alter an ihrer eigenen Komplexität ersticken, die versagen nicht mechanisch, die versagen und vergammeln elektronisch - und die Teile werden sehr teuer oder gar nicht mehr zu haben sein.

Gruß - Udinho

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Re: Benzinüberlauf?
« Antwort #11 am: Sa.28.Nov 2009/ 10:26:19 »
Ja, mit den modernen Autos gebe ich dir recht.
Da bin ich auch sehr gespannt, was sich da im Alter draus entwickeln wird.
Es ist u.U. schon jetzt schwierig, die Software der Fahrzeuge auf Stand zu halten. Jedes einzelne Modul im Wagen hat seine eigene Software die je nach Fehlersymptom upgedatet werden muss.... Wenn beim Shadow die Seitenscheibe nicht hoch geht, hat man gute Chancen das zu beheben. Als sie bei meinem Modernen Wagen nicht hoch ging, musste der an den Laptop und bekam eine neue Kalibrierung, da das Problem vom Einklemmschutz kam :(

Wie das später einmal von freien Werkstätten oder gar Privatpersonen gehandhabt werden soll, ist mir ein Rätsel. Aber wer weiss, ob man das bei der Einführung der Shadows nicht auch so gesagt hat.

Tja, was den Weakener angeht, sollte ich vielleicht wirklich froh sein, dass ich den nicht habe. Eine Fehlerquelle weniger. Und über den Verbrauch oder die Zusammensetzung des Abgases diskutiert man bei Oldtimer eh besser nicht :-)

Deine Einstellung, die Systeme zu belassen und dafür zu sorgen, dass sie auch funktionieren, finde ich sehr gut. Das ist ja nicht immer so.
Aber jeder muss es selber entscheiden, wie viel der u.U. komplizierten oder leistungsminderen Technikkomponenten (z.B. Abgasrückführungen...) er beibehält oder rückrüstet.

In diesem Sinne ein schönes WE

Michael
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