Hallo MK IV/R-Type Driver,
von einem ‚Hochleistungskühlnetz’ würde ich aus eigener Erfahrung grundsätzlich abraten. Ein Zusatzventilator kann zwar etwas Abhilfe verschaffen, behebt aber nicht die Ursache.
Bedingt dadurch, dass die Abstände der Lamellen innerhalb der Kühlermatrix bei einem ‚Hochleistungskühler’ erheblich kleiner sind, wird auch der Durchsatz an Luft durch den Kühler geringer, denn der richtige Staudruck fehlt. Somit hebt sich der vermeintliche Vorteil auf.
Hinzu kommt, dass sich aufgrund des durch die Chromlamellen relativ stark verdeckten Kühlers sowieso schon eine weitaus reduziertere Anströmung des Kühlers ergibt, als läge dieser frei im Fahrtwind. Ist das neue Netz zu eng, reicht der Staudruck des Fahrtwinds in Verbindung mit dem Sog des Lüfterrades nicht mehr aus, eine ausreichende Kühlung im lastkritischen Fall zu bewerkstelligen.
Bentley hat seinerzeit auch herausgefunden, dass ein Teil einer möglichen Verschlammung im Kühler auf ein eventuell zu großes elektrisches Potential zwischen Motor und Kühler zurück zu führen ist.
Werkseitig sind diese Wagen auf eine ausreichende Kühlleistung durch den Kühler ausgelegt. Bentley hat relativ schnell erkannt, dass diese Motoren thermisch nicht ganz unproblematisch sind (die hinteren Zylinder laufen ca. 13° wärmer als die Vorderen) und laufend Verbesserungen in die Serie einfließen lassen. So wurden z.B. die Chromlamellen in der Kühlermaske reduziert (von 10 auf 9) und anders angeordnet (von 43° auf 37°), andere Vergasernadeln (SP anstatt SN) oder andere Kühler verwendet, der innere Motorblock mit einem ‚aluminium pigmented stove enamelling varnish’ versehen, um die den Kontakt der Kühlflüssigkeit zum Eisen möglichst gering zu halten und mit einer extra Kabelverbindung zwischen Lichtmaschine und Kühler den Potentialausgleich hergestellt.
Aber zuerst würde ich erst mal einen Test machen, ob die Wasserpumpe überhaupt genug fördert. Dann hat man einen Anhalt, ob überhaupt der Flüssigkeitsstrom ausreichend ist. So weit ich mich erinnere gibt es dafür ein Servicebulletin (Nr.142?). Dann würde ich Kühlwasser mit der korrekten Zusammensetzung verwenden und eine ausgiebige Probefahrt unternehmen. Einen überaus informativen Beitrag zum Thema Kühlwasser gibt es hier:
>>Link<<Wie eine gründliche Motorspülung gemacht wird, steht glaube ich ebenfalls in diesem Bulletin. Übrigens von Haushaltmitteln a la Domestos zum Entkalken würde ich aufgrund der unterschiedlichen Materialien und der ungewissen Verträglichkeit mit diesen abraten (Alu, Eisen, etc.). Auch hier meine ich mich zu erinnern, dass es zum Thema Entkalken ebenfalls ein Service Bulletin gibt. In den Archiven des Hunt House (RREC), müssten diese Bulletins zu finden sein. Vielleicht weis Herr Erbecht mehr, oder kann diese besorgen.
Als Oldiefahrer schaut man ja immer ganz gespannt auf die Temperaturanzeige. Ich habe während vieler Passfahrten und Reisen in den Alpen herausgefunden, dass der ‚Gasfuß’ ganz entscheidend zur Motortemperatur beiträgt. Das Stichwort heißt gleichmäßiges Fahren bei mittlerer Drehzahl. Fortwährendes Beschleunigen führt z.B. in der Höhenluft der Alpen rasch zu einer Temperaturerhöhung und dem entsprechend flauen Gefühl in der Magengegend.
Viel Spaß beim Fahren dieser tollen Wagen.
Gruß
BentleyDriver