Autor Thema: Benzinpumpe  (Gelesen 3286 mal)

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Offline bernhard

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Benzinpumpe
« am: Sa.04.Sep 2010/ 19:16:45 »
Hallo

Heute sprang der SS I trotz drehendem Anlasser nicht an.  Habe später mal alle Sicherungen hintereinander gezogen und überprüft, da ich nicht wußte, welche für die Benzinpumpe ist.  waren alle okay. Weitergeorgelt, nix.  Zündung eingeschaltet, Strom an der Benzinpumpe gemessen, 13,6 Volt. Auto sprang immer noch nicht an.  An allen elektrischen Verbindungen herumgefummelt und aus lauter Verzweiflung mit nem kleinen Gummihammer auf die Pumpe gehauen.  Plötzlich sprang der RR an.  Wenn man bei laufendem Motor dann an die Pumpe gefasst hat, hat man nur ein ca. 3 maliges kurzes Pulsieren gespürt, ich hör aber nix von den Pumpen, kein Klackern, nix.  Wird doch immer geschrieben, man müßte die Pumpen hören.  Ich hör nix, spüre nur das 3 malige Pulsieren, Motor lief dann aber weiterhin.
Meine Frage, ist das so normal?   Sind da mal etwas modernere Pumpen eingebaut worden, die nicht mehr klackern?   Wenn ne Pumpe wohl schon mal gehangen hat und nur durch Klopfen wiederbelebt werden konnte, soll ich die ausbauen und überholen?

Dank im voraus

Bernhard

Offline WHirsch

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Re: Benzinpumpe
« Antwort #1 am: Sa.04.Sep 2010/ 20:01:45 »
Die Benzinpumpe klackert nur kurz (bei mir 1-2 Sekunden, ca. 3-5 mal) beim Einschalten der Zündung, danach ist Sprit in der Leitung und es gibt nichts zu pumpen bis der Motor läuft. Läuft der Motor hört man die Pumpen nicht mehr.

Die Pumpen hört man in der Regel auch nur wenn der Wagen eine Weile gestanden ist.

Gruß

Winfried Hirsch

Offline Udinho

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Re: Benzinpumpe
« Antwort #2 am: Sa.04.Sep 2010/ 23:03:46 »
Bernhard, es kommt vor, daß so eine Pumpe klemmt und auf Schläge hin anspringt.

Hast Du gesehen, daß diese eine Pumpe eigentlich zwei Pumpen ist? Es handelt sich sozusagen um eine Doppelpumpe. Zwei Pumpen pumpen aus einer gemeinsamen Leitung saugend in eine gemeinsame Kammer, aus der dann wieder eine gemeinsame Leitung zu den Schwimmerkammern der Vergaser führt. Kann sein, daß eine Seite/Pumpe überhaupt nicht mehr geht, während die andere mal gerade so noch auf Schläge hin den Dienst wieder aufgenommen hat.

Man hört - wenn man weiß, wie's klingt -, ob eine oder beide Pumpen laufen. Wenn eine Pumpe läuft, ist es ein schnelles Klackern, rhythmisch gleichmäßig, aber abnehmend, weil sie gegen zunehmenden Druck mühsamer und langsamer arbeitet, bis das Klackern aufhört, das alles innerhalb - wie Winfried schon sagt - von wenigen Sekunden, und sogar nur vielleicht zwei Sekunden, wenn das Auto nicht allzu lange gestanden hat. Wenn beide Pumpen laufen, klingt das eher wie ein recht wildes Durcheinanderklackern. Wenn Du erst mal den Unterschied kennst, hörst Du gleich, ob nur eine oder beide Seiten/Pumpen arbeiten.

Man sollte nicht einfach eine andere Pumpe nehmen, ohne zu wissen, ob sie den gleichen Druck liefert. Die Pumpe läßt sich leicht überholen durch ersetzen der Konkakteinheiten. Meine hat noch richtige Unterbrecherkontakte, die im Laufe der Zeit abnutzen. Es gibt aber seit langem elektronische Einheiten, die sollen verschleißfrei sein. Weil ich die aber noch nicht gesehen habe, kann ich nur sagen, daß sie die alten Unterbrecherkontakteinheiten ersetzen.

Außer daß die Kammer, in die die Pumpen pumpen, einen Deckel mit einer Dichtung hat, die undicht werden kann, wüßte ich nicht, was es daran neben den Kontakteinheiten noch zu warten bzw. überholen gibt. Ob diese elektronischen Einheiten auch klackern, weiß ich gar nicht. Aber wenn es ein paar Mal bei Dir geklackert hat, dann ist das ja schon mal was :-). Vielleicht läuft ja wirklich nur eine der beiden Seiten/Pumpen - nicht vergessen, es sind zwei Pumpen in einer. Zieh doch mal rechts, mal links an der Pumpe das Kabel ab, dann siehst Du ja, was passiert. Zum Fahren reicht eine der beiden Pumpen, aber weil ich gedacht habe, daß ich mit der einen von den beiden Pumpen ja prima fahren kann und zu faul war, die ruhende Seite/Pumpe in Gang zu bringen, bin ich dann auf der Autobahn liegengeblieben - das war das einzige Mal in 20 Jahren, daß der Rollie nicht mehr aus eigener Kraft nach Hause kam.

Gruß - Udo
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Offline cferbrecht

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Re: Benzinpumpe
« Antwort #3 am: Mo.06.Sep 2010/ 10:04:31 »
An den Pumpen gehen nicht nur die Kontakte kaputt: Im Laufe der Jahre werden die Membranen der Pumpen hart, so dass die Pumpe immer unwilliger läuft, weil der Magnet nicht genug Kraft hat, den Widerstand des harten Gummis zu überwinden. Nachstellen oder Ersetzen der Kontakte bringt dann wenig bis nichts, denn die Balance der Federkräfte lässt sich mit einer harten Membran nicht herstellen. Irgendwann brechen die Membranen auch, was dann nicht nur das Pumpen unmöglich macht, sondern auch das Benzin herauslaufen lässt.

Wir verkaufen diese Pumpen im Austausch für 180,00 € (+MWSt., falls anfallend) und wechseln immer die Kontakte, die Membranen und die Ventilteile.

Wenn also eine Pumpe schon still gestanden hat, sind auf jeden Fall beide Pumpenteile nicht in Ordnung, und wahrscheinlich läuft nach dem Klopfen auch nur eine Hälfte. Das ist ausreichend zur Versorgung der Vergaser in allen Situationen, so dass man nicht merkt, dass nur noch die halbe Pumpe arbeitet – die Doppelpumpe ist Sicherheitsdenken geschuldet. Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es einen Pumpenschalter mit drei Stellungen: A, B und A+B, damit konnte man die einzelnen Pumpenteile testen, was ja sehr sinnvoll ist. Heute kann man das nur, wenn man die Zuleitungen zu den Pumpenteilen abmacht und beide Teile einzeln testet.

Ein Wort zu den elektronischen Pumpeneinheiten: Wir haben mal 100 Stück davon gekauft (also für 50 Pumpen), einen Teil davon an die üblichen Verdächtigen in GB geliefert, und den Rest selbst verarbeitet. Nach einiger Zeit gab es dann Beschwerden darüber, dass die Pumpen zu laut sind – und es stimmt: Die Pumpen sind irgendwie kräftiger, die interne Bewegung ist härter, und damit sind sie lauter. Wir haben es wieder aufgegeben, die Dinger einzubauen. Ein weiterer Nachteil: Die mechanische Pumpe kann notfalls auch der sprichwörtliche Dorfschmied in Nigeria so weit hinbasteln, dass man weiterfahren kann – wenn die Elektronik kaputt ist, ist es das vorläufige Ende der Fahrt.

Grüße aus dem Norden
Claus F. Erbrecht
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Offline Udinho

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Re: Benzinpumpe
« Antwort #4 am: Mo.06.Sep 2010/ 10:28:58 »
Auch wenn ich nicht in Nigeria mit einem Silver Shadow herumgeistere, überzeugt mich der Gedanke an den Dorfschmied, bei den althergebrachten Kontakten zu bleiben. Wir sind hier in mancher Hinsicht wie Dritte Welt.

Gibt es eigentlich so einen kompletten Überholsatz für eine Benzimpumpe, also Kontakte, Membrane und Ventile?  Ich habe bislang nur Kontakte gewechselt - ist der Rest ähnlich einfach zu bewerkstelligen?

Gruß - Udo
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Offline cferbrecht

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Re: Benzinpumpe
« Antwort #5 am: Mo.06.Sep 2010/ 10:58:56 »
Der Überholsatz für eine Seite kostet 63,00€ (+MWSt., falls anfallend) und enthält das Kontaktpaar, die Membran, diverse Ventilteile und Dichtungen. Der Einbau ist insofern etwas trickreich, als man die Kontakte gut justieren muss, damit sie zuverlässig schalten. Dies geht über die Gewindestange an der Membran, d.h., man muss die Membran zum Einstellen hinein- oder herausdrehen, und dazu muss man nach einem Test (immer mit Flüssigkeit – Luft genügt nicht!) die Pumpe wieder zerlegen, wenn es nicht auf Anhieb geklappt hat.

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Claus F. Erbrecht
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