Rolls-Royce & Bentley-Forum
Rolls-Royce+Bentley-Technik => Silver Shadow, Bentley T-Modelle => Thema gestartet von: wero am Fr.13.Nov 2009/ 22:27:58
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Wer weiss wo man die vorderen Bremsscheiben abdrehen lassen kann? Mein TÜVmann bemängelte das zu geringe Tragbild von mittig 3cm mit rostrauem Rand. Obwohl die Scheiben noch ungenutzt leicht angerostet sind, würde ich sie gerne abdrehen lassen, um sie noch zu Ende zu nutzen...
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Ich persönlich halte nichts vom Abdrehen der Scheiben. Eine belüftete Scheibe kostet 150 Euro oder so und verschafft Dir Ruhe und gutes Bremsen - jedenfalls hinsichtlich der Scheiben - für die nächsten bestimmt 10 Jahre.
Wenn Scheiben abgedreht werden, brauchst Du auch neue Bremsbeläge, weil sonst keine gleichmäßige Bremswirkung rechts und links erzielt werden kann, zumindest dauert es Tausende von Kilometern, bis die alten Bremsbeläge sich der Glätte der abgedrehten Scheibe wieder so angepaßt haben, daß gute gleichmäßige Bremswirkung erzielt wird. Betrachtest Du den Arbeitslohn und die Nebenkosten, dann kostet Dich die neue Scheibe letztlich nur noch vielleicht knapp 100 Euro zusätzlich im Vergleich zur abgedrehten Scheibe. Allein wegen dieser - sagen wir mal: betriebswirtschaftlichen - Überlegung kommt das Abdrehen für mich nicht in Betracht. Und wenn Du Pech hast, sagt der TÜV-Onkel womöglich noch, die Dicke der Scheibe sei nach dem Abdrehen zu gering geworden. Und dann?
Gruß - Udinho
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Habe jemand gefunden, der noch Scheibenbremsen abdreht: die ATU in Koblenz könnte es für 100€ machen, direkt am Auto, wenn der Adapter passt! Andererseits wenn ich günstige neue Bremsscheiben bekäme, würde ich lieber die neuen nehmen. Wo bekomme ich günstige her? Andererseits ist der Ausbau der vorderen Bremsscheiben nicht so einfach, weil die Bremssättel und die Radlager mit raus müssen?! Und dann wieder die verschiedenen Bremssysteme entlüften. Das schreckt mich etwas ab und finde das Abdrehen halt eben einfacher...
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Ja ... <ironie mode on> ATU ist ja schlechthin die erste Adresse für Oldtimer insgesamt und für RR speziell. Da bist Du sicherlich mit Deinem Auto in den allerbesten Händen und letztlich lässt da ja jeder hier seinen RR/B warten und pflegen </ironie mode off>
Bremsscheiben gibt's bei den üblichen Verdächtigen (flying spares, introcar, Erbrecht ...). Was immer günstig heissen mag ... dort bekommt man jedenfalls welche, die dann auch ihren Job tun.
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Mir geht es in erster Linie darum, die Bremsscheiben glatt zu bekommen und wenn die das hinkriegen und der TÜV damit zufrieden ist, ist doch alles ok!
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Du machst das also nur für den TÜV, nicht für Deine eigene Sicherheit. Gut zu wissen ...
Gruß JimKnopf
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Jimknopf, ein bißchen ist Deine Reaktion ungerecht und auch sachlich meiner Meinung nach unrichtig.
Die Unebenheit einer Bremsscheibe, wegen der man ja das Abdrehen vornimmt, ist grundsätzlich kein Problem, denn der Belag schleift sich darauf so ein, daß er nahezu hundertprozentig bremst. Es ist viel schlimmer, auf eine neue Scheibe die alten Beläge aufzusetzen, denn dann bremst es viele viele Kilometer lang miserabel und ungleichmäßig, bis die Beläge sich der glatten Scheibe wieder angepaßt haben.
Aus diesem Grund wird eine Werkstatt die Scheibe niemals wechseln, ohne auch die Beläge zu erneuern.
Umgekehrt macht es auch keinen Sinn, Bremsbeläge nur einseitig oder teilweise zu wechseln. Die Scheiben sind nach einigen Tausend Kilometern immer in gewissem Maße uneben. Einseitig oder teilweise erneuerte Beläge führen dann, obwohl sie neu sind, auf den alten Scheiben zu ungleichmäßigem Bremsen, also Ziehen nach links oder rechts.
Es geht also nur: alte Scheiben mit allen Belägen neu oder neue Scheiben auch mit neuen Belägen. Alles andere ist gefährlich, weil das Auto lange Zeit erst einmal schief ziehen wird beim Bremsen.
Der TÜV-Onkel beanstandet - wenn ich Wero richtig verstehe - aber gar nicht die Unebenheit der Scheibe, wegen der man sie abdrehen könnte, sondern den Umstand, daß der Belag nicht auf der ganzen Scheibe aufliegt. Deswegen konnte sie ja rosten. Das Problem wird daher nicht die Scheibe sein, sondern mindestens ein schief laufender Kolben, was dazu führt, daß der Bremsbelag nicht richtig auf die Scheibe gedrückt wird.
Deswegen auch die Ausführungen zur unebenen Scheibe: Ich befürchte, daß auch der Austausch einer Scheibe oder deren Abdrehen das Problem nicht lösen wird. Das macht den TÜV zwar zufrieden, aber nach kurzer Zeit wird wieder Rostanflug auf der Scheibe zu sehen sein - eben weil es einen Bereich gibt, wo ein oder zwei Kolben nicht richtig sitzen (weil verschmutzt, verrostet, ausgeleiert o.ä.) und den Belag schief auf die Scheibe drücken. Abdrehen hilft bei unebenen Scheiben, die vielleicht voller Riefen sind, aber nicht wenn der Belag gar nicht richtig aufliegt - denn der schleift sich ein, wenn er richtig angedrückt wird.
Gruß - Udinho
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Also müsste ich zunächst die Bremsättel mit den Kolben kontrollieren und restaurieren. Seltsam nur das die beiden vorderen Bremsscheiben gleich aussehen mit dem gleichen schmalen Tragbild. Zudem haben wohl die beiden Bremssättel pro Seite unterschiedliche Bremskreisläufe mit unterschiedlichen Drücken, den niedrigen Druck mit dem Hauptbremszylinder und einen hohen in Verbindung mit der Niveauhydraulik? Vielleicht funktioniert nur der Hauptbremszylinderkreislauf und der mit dem hohen Druck nicht, weil die Niveauhydraulik nicht funktioniert und der Wagen hinten runterhängt. Das alles sieht nach viel Arbeit aus, deshalb wollte ich schnell den TÜV, um dann mit zugelassenem Fahrzeug in Ruhe die Probleme zu beseitigen. Ohne Hebebühne und Garage muss ich eben ständig irgendwo hinfahren, um zu schauen und zu reparieren und wenn dann ständig das blöde Kurzkennzeichen wieder abgelaufen ist, macht es eben keinen Spass...
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Ganz so einfach ist das System nicht :)
Wenn ich den Faden nicht verloren habe, redest du von den vorderen Scheiben. An der Vorderachse werden alle Kolben vom Hochdrucksystemen gespeist, allerdings von unterschiedlichen Kreisen.
Der Niederdruckkreis wirkt nur hinten, je nach Baujahr auf das obere oder untere Paar Kolben. Genaueres kannst du zusammen mit deiner Fahrgestellnummer auf www.rrsilvershadow.com mit vielen Diagrammen und Schaubildern nachsehen.
Aus eigener Erfahrung kann ich dir sagen, dass du mit "mal eben"-Aktionen bei der Bremse nicht weiterkommst. Wie schon andere geschrieben haben, ist es mit dem Behebung der Wirkungen nicht getan. Du musst an die Ursachen heran und das kann aufwändig sein, finanziell wie zeitlich.
Ich würde zusehen, dass du einen Platz findest, an dem du den Wagen sicher aufbocken kannst, damit du in Ruhe Zugang zu allen Kompenenten hast. (Mein Wagen stand rund 3 Monate ohne Räder auf Böcken, als ich mich mit der Bremse beschäftigte. Und da waren es nur festgegammelte Kolben).
Aber was ganz anderes beschäftigt mich: Du hast in recht vielen Beiträgen von diversen Baustellen berichtet. Da sind meiner Meinung nach viele "harte Nüse" bei wie z.b. die Rostschäden, Lenkung, Elektrik in den Türen und eben die Hydraulik (Bremsanlage und Niveau).
Vermutlich kommen da noch andere hinzu (vielleicht die neuralgischen Roststellen an den Radläufen und Schwellerspitzen)....
Könnte es nicht nicht wirtschaftlicher sein, ein gesünderes Fahrzeug als Basis zu kaufen und den jetzigen als Ersatzteilspender zu nehmen?.....
Gruß aus dem Rheinland
Michael
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Wero, ich kann Michael nur zustimmen: So mal eben wird das nichts. Nach Deiner Beschreibung wird das allein mit der Bremsanlage eine umfangreichere Sache.
Da ich den Eindruck habe, daß Du für eigene Reparaturen weder den richtigen Platz noch die erforderlichen Erfahrungen hast, habe ich ein bißchen Bedenken, Dir weiter zu raten. Aber vielleicht kommt das ja nur falsch rüber.
Wenn ich so eine teileweise angerostete Bremsscheibe bei mir entdecken würde, dann würde ich zuerst die Beläge an der Scheibe rausnehmen und die Kolben mit einem stabilen Schraubenzieher oder sonst einem Hebel reindrücken, als wollte ich neue dicke Beläge einsetzen. Dabei müssen die Kolben weich und elastisch nachgeben und in den Bremssattel gleiten, ohne viel Kraftaufwand. Tun die einzelne Kolben das nicht, gehen sie also sehr schwer oder fast gar nicht rein, ist der Fall klar: Der entsprechende Sattel muß überholt werden.
In Deinem Fall tippe ich darauf, daß Du mehrere Kolben gar nicht wirst bewegen können. Und dann bleibt nichts anderes übrig als die Sättel auszubauen und zu überholen, und das heißt, sie in ihre zwei Hälften zu zerlegen, damit Du die festsitzenden Kolben rausbekommen kannst. Bei Undichtigkeit an den Kolben kann man die Dichtringe ersetzen, ohne den Bremssattel zu zerlegen, weil leichtgängige Kolben problemlos nach innen rausgezogen werden können (oder mit Preßluft, wenn man so was hat), auch wenn das Einsetzen der Staubkappen und ihrer Halteringe etwas fummelig werden kann.
Bevor man so eine Arbeit angeht, muß man sich die erforderlichen Teile besorgen - und ein Handbuch, in dem das alles beschrieben wird. Denn wenn Du erst bei jeder Unsicherheit hier im Forum fragen und auf eine Antwort warten mußt, dann kommst Du nicht vorwärts mit dem Job. Aus Deinen vielen Fragen schließe ich, daß Du kein Handbuch hast oder zumindest darin nicht ausreichend liest. Denn viele Fragen erledigen sich von selbst wie die nach den Bremskreisen und der Verteilung der Bremskraft - das ist schlichtweg fundamentales Wissen. Auch die Frage nach dem Tauschen einer Bremsscheibe - das ist keine Aktion, ist für einen erfahrenen Mann Sache von zwei Stunden, wenn es denn wirklich nur der Tausch der Scheibe ist, und diese Aktion wird im Handbuch besser beschrieben als man das hier vortragen kann.
Dem Hinweis von Michael muß ich noch mal ausdrücklich zustimmen: Nimm Dir Zeit und Handbuch, und wenn Du gründliche Erfahrung hast mit dem Schrauben an Autos, dann verstehst Du mit Hilfe des Handbuchs und der Forumsmitglieder, wie das Überholen der Bremssättel vonstatten geht. Aber ohne viel Zeit und Ruhe und Erfahrung und Handbuch geht das nicht - es sei denn in einer erfahrenen Werkstatt.
Gruß - Udinho
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Bleibt noch anzumerken, dass angesichts des Zustands der Bremsanlage, die hier beschrieben wurde, sicher auch die Gummischläuche hin sind. Wenn man jetzt eh' die Zangen überholt sollte man das immer gleich mit erledigen, es sei denn man ist sicher, dass die noch tiptop sind ....
Diese Arbeiten sind, wie Udinho und RR_SS_Dream schreib, kein Hexenwerk und handwerklich nicht so anspruchsvoll. ABER man muss schon genau wissen was man tut ... sonst kann das schlimme Folgen haben.
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Und dann bleibt nichts anderes übrig als die Sättel auszubauen und zu überholen, und das heißt, sie in ihre zwei Hälften zu zerlegen, damit Du die festsitzenden Kolben rausbekommen kannst. Bei Undichtigkeit an den Kolben kann man die Dichtringe ersetzen, ohne den Bremssattel zu zerlegen, weil leichtgängige Kolben problemlos nach innen rausgezogen werden können (oder mit Preßluft, wenn man so was hat), auch wenn das Einsetzen der Staubkappen und ihrer Halteringe etwas fummelig werden kann.
Bei der Überholung meiner Bremssättel war genau das Herausbekommen der Kolben sehr schwierig.
Das habe ich zusammen mit meiner Werkstatt gemacht.
Wie haben die Sättel nicht getrennt, da wir so die Möglichkeit hatten, die Sättel provisorisch an ein anderes Auto zu montieren und mit dessen Bremsanlage die Kolben zu lösen. Hier diente eine Renault Alpine mit Rennbremsanlage als grosse Hilfe.
Druckluft ist meiner Meinung nach mit Vorsicht zu behandeln, da die Kolben zu Geschossen werden können wenn sie losbrechen. In der Werkstatt wurde für die ganz hartnäckigen Kandidaten eine Fettpresse verwendet, nach dem ordentliche Mengen Rostlöser über längere Zeit einwirkten.
Heute, nach dem ich den Aufwand kenne und weiss, wie lange ich entrostet und poliert habe, würde ich die Arbeit an den Sätteln der Vorderachse nicht noch mal machen, sondern sofort überholte Sättel aus vertrauensvoller Quelle erwerben. Hinten würde ich dennoch überarbeiten, da die Sättel doch deutlich teurer sind.
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Noch als Ergänzung:
Sättel kosten bei uns als Austauschteile 180,00 (vorn) bzw. 270,00 (hinten) je Stück, jeweils +MWSt., falls anfallend. Die Sättel sind dann mit neuen Dichtungen und neuen Edelstahlkolben versehen, werden also von den Kolben her nie wieder Probleme bereiten.
Aufpreise werden fällig, wenn versucht worden ist, abgerissene Entlüfterschrauben auszubohren und dabei der Dichtungskonus zerstört worden ist (sehr beliebt, besonders bei Werkstätten).
Grüße aus dem Norden
Claus F. Erbrecht
Heaven's Gate Garage
www.bentleyteile.de
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Endlich habe ich die vorderen Bremsscheiben glatt! Und das durch ATU in Koblenz. Die haben tatsächlich ein Gerät zum Abdrehen von Bremsscheiben direkt am Auto, passt sogar auf den Rolli! Das Gerät wird an den Löchern eines abgeschraubten Bremssattels festgeschraubt. Mit einem Elektromotor angetrieben wurden die verrosteten noch ungenutzten Bremsscheiben beidseitig sauber abgedreht und die noch neuwertigen Bremsklötze eben abgeschliffen. Somit war bei voll funktionierenden Bremskolben die vordere Bremsanlage wieder perfekt und der TÜVmann war zufrieden. Gesamtkosten komplett 175€ für 2,5std Arbeit.